Hilfe, aber kein Ersatz

05.04.2018

Neue Technik bietet Helfern neue Chancen.
Der Mensch wird dadurch noch lange nicht überflüssig.

Roboter machen das Bett, helfen bei der Pflege, bringen den Müll hinaus und passen auf, dass uns nichts passiert. Noch ist das ein Zukunftsszenario, aber die Zukunft kommt schneller, als man denkt. Digitalisierung und Technik verändern die Art und Weise, wie Menschen leben und miteinander umgehen. Hilfsorganisationen müssen sich darauf einstellen und neue Chancen nutzen. Was bedeutet das konkret, und in welchen Bereichen zeichnet sich bereits ein Wandel ab?

Noch haben Pflegeroboter nicht Einzug gehalten in Österreich, obwohl es schon vielversprechende Projekte gab. Im Wiener Haus der Barmherzigkeit, einem Pflegeheim, kamen seit 2013 die Assistenz-Roboter „Henry“ und „Hobbit“ zum Einsatz. Sie begleiteten Menschen durch die Gänge, spielten und sprachen mit ihnen und schlugen Alarm, wenn jemand stürzte.

Keine Berührungsängste

„Die Leute waren vor allem begeistert, dass Roboter etwas vom Boden aufheben konnten“, sagt Markus Vincze, Professor am Institut für Automatisierungs- und Regelungstechnik der TU Wien. Die Bedienung über Sprache und Touchscreen sei kein Problem gewesen. „Ich denke, Assistenz-Systeme werden in absehbarer Zeit ganz normal sein. Roboter werden uns zu Hause unterstützen, zusammenräumen, uns helfen, fit zu bleiben, und im Notfall Alarm schlagen. Aber Menschen pflegen werden sie noch lange nicht können.“ Vor allem die Entwicklung dazu tauglicher Arme macht in der Forschung Probleme.

Berührungsängste mit „Henry“ und „Hobbit“ habe es keine gegeben, bestätigt Christoph Gisinger, Altersforscher an der Donau-Universität Krems und Institutionsdirektor der „Haus der Barmherzigkeit“-Gruppe. Für mehr Akzeptanz wurden die Maschinen mit Augen, einem Kopf und einem Körper versehen – aber nicht um Pfleger zu imitieren. „Aus Studien wissen wir, dass Menschen Roboter ablehnen, die einem Menschen täuschend gleichen.“ Alleine aus Nutzersicht dürften Pflegekräfte aus Fleisch und Blut also unerlässlich bleiben. Auch Liebe und Mitgefühl werden einer Maschine schwer beizubringen sein. Umgekehrt können Roboter aber sehr wohl Gefühle auslösen, wie die Roboter-Robbe „Paro“: Sie gibt Laute von sich, um Demenzpatienten bei Laune zu halten. Das Rote Kreuz nutzt andere technische Mittel, um bereits die Entstehung von Demenz zu bremsen.

Spielerisch gegen Demenz

In einem neuen Projekt nehmen geschulten Freiwillige bei ihren Hausbesuchen ein Tablet mit, um mit den Menschen interaktive Übungen zu machen, ihre Sinne zu stimulieren und sie geistig fit zu halten. Amicasa heißt die Software, die Joanneum Research in Kooperation mit der Firma Famel und dem Sozialverein Deutschlandsberg entwickelt hat. Das Projekt wird mit 60 Personen in Kärnten, Niederösterreich und der Steiermark getestet. Das Geld dafür stammt aus der neuen „Aus Liebe zum Menschen Stiftung“ zur Förderung innovativer Projekte. „Der Einsatz von Technik kann die Lebensqualität älterer und pflegebedürftige Menschen verbessern“, sagt Monika Wild, Leiterin des Bereichs Einsatz und Gesundheit beim Roten Kreuz. „Wichtig ist nur, dass sie ihre Ängste und Anliegen äußern können und die Selbstbestimmung gewahrt bleibt.“

 

Quelle: mein Rotes Kreuz März 2018