Welt-Autismus-Tag, 2. April

26.03.2018

Das Diakoniewerk begleitet seit vielen Jahren Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung sehr individuell. Die Kompetenzen sind vielfältig, so auch die Bedürfnisse der Betroffenen.

Mit ihren Besonderheiten in der Wahrnehmung und Informationsverarbeitung stoßen Menschen mit Autismus im Alltag immer wieder an ihre Grenzen. Ihr Kontaktverhalten und die soziale Interaktion, oftmals auch ihre Motorik, sind anders. Bei Thomas wurde mit 3 Jahren eine Autismus-Spektrum-Störung diagnostiziert. Von da an gut begleitet in Kindergarten und Schule, kann Thomas heute in einer Werkstätte des Diakoniewerks einer sinnvollen Beschäftigung nachgehen. Bald wird er auch seine eigenen vier Wände beziehen können. Anlässlich des Welt-Autismus-Tages am 2. April will das Diakoniewerk Bewusstsein für die tiefgreifende Entwicklungsstörung Autismus schaffen.

 

GALLNEUKIRCHEN. Das Diakoniewerk begleitet seit vielen Jahren Menschen mit Autismus mittels Beratung, frühkindlicher Förderung und therapeutischen Angeboten, sowie Angeboten in den Bereichen Bildung (Kindergarten und Hort), Arbeit und Wohnen. Diese langjährige Erfahrung spiegelt sich in der fachkundigen, individuellen Begleitung, aber auch in der kritischen, konzeptgeleiteten Reflexion der Arbeit wieder. Heute begleitet das Diakoniewerk mehr als 100 Menschen im Autismus-Spektrum, wobei jene, die therapeutische wie beratende Angebote ein-/mehrmalig in Anspruch nehmen noch hinzukommen.

Thomas H. ist heute 26 Jahre alt. Als Kleinkind hatte er Schwierigkeiten in seiner sprachlichen Entwicklung. Zahlreiche Untersuchungen und Arztbesuche waren nötig, bis im Alter von 3 Jahren die Diagnose „Autismus-Spektrum-Störung“ festgestellt wurde. Thomas H. fällt es schwer seine Sinneseindrücke zu einem Gesamtbild zu verarbeiten. Das äußert sich in einer Entwicklungsverzögerung und einem Verhalten, das Mitmenschen oft nicht nachvollziehen können.

Seit er 5 Jahre alt ist, wird Thomas H. von MitarbeiterInnen des Diakoniewerkes begleitet. Anfangs in der heilpädagogischen Gruppe des Kindergartens Martinstift, danach in der Martin-Boos-Landesschule und aktuell arbeitet er in der Werkstätte Erle in Engerwitzdorf/.

 

Tagesstruktur in der Werkstätte Erle

In der Werkstätte Erle findet eine Bündelung der Angebote für Menschen mit „Autismus-Spektrum-Störung“ statt. Die in der Werkstätte gelebte Natur- und Erlebnispädagogik bietet ein breites Spektrum an nachvollziehbar gestalteten Tätigkeiten und Aktivitäten und Thomas H. wird dort eine, seinen Bedürfnissen angepasste, sinnvolle Tagesstruktur ermöglicht. Christoph Schütz, Leiter der Werkstätte Erle, erzählt: „Zu Beginn war es nicht so einfach die Komfortzone von Thomas zu erweitern. Dass er sich auf die Arbeiten und den Alltag in der Werkstätte einlässt, war anfangs sehr schwierig zu bewerkstelligen. Mittlerweile funktioniert dies sehr gut. Thomas konnte mit den MitarbeiterInnen eine gute Beziehung aufbauen und orientiert sich an den wiederkehrenden Arbeiten.“

In der Werkstätte werden unter anderem Säfte hergestellt. Dabei hilft Thomas H. bei vielen wichtigen Produktionsschritten mit - ob beim Ernten der Holler Blüten, beim Flaschenetikettieren oder beim Ausliefern der fertigen Getränke. Die Tätigkeiten ermöglichen eine sinnstiftende, nachvollziehbare Arbeit, wobei die Fähigkeiten und der Selbstwert der Menschen gestärkt und erweitert werden.

 

Wohnen für Menschen mit Autismus

Das Diakoniewerk begleitet ebenso den Übergang vom Wohnen zuhause zum Wohnen in einer Einrichtung des Diakoniewerks. Derzeit wohnt Thomas H. noch daheim bei seinen Eltern, aber ab Mitte dieses Jahres wird er in der neu geschaffenen Wohneinrichtung in Altenberg/ einen Wohnplatz haben. Es werden 16 Dauerwohnplätze, ein Kurzzeitwohnplatz und 15 Beschäftigungsplätze errichtet. Dort wird Thomas H. auch ab Jänner 2019 in der Tier- und Grünraumpflege arbeiten können.

 

Begleitung ein Leben lang

„Die Begleitung von Menschen im Autismus-Spektrum ist für uns seit vielen Jahren ein Schwerpunkt unserer Tätigkeit in der Arbeit mit Menschen mit Behinderungen. Wir haben hier nicht nur wertvolle Erfahrungen, sondern auch Kompetenzen gezielt erweitert, um Betroffene wie Angehörige hier professionell und vor allem individuell ein Leben lang begleiten zu können“, betont Mag. Josef Scharinger, Vorstandsvorsitzender des Diakoniewerks. Das Diakoniewerk eröffnet deswegen im Herbst 2018 neben dem Standort für Wohnen und Arbeiten in Altenberg auch in Pregarten/ ein Wohnhaus für Menschen im Autismus Spektrum.

Zusammengefasst: Die Kompetenzen in der Begleitung von Menschen mit Autismus

• Medizinische und psychologische Diagnostik und Früherkennung

• Beratung & Anleitung: Familienberatung

• Umfassendes therapeutisches Angebot (Soziale Kompetenzgruppe, Musiktherapie, …)

• Familienentlastende Angebote

• Breites Kompetenzspektrum (Kindergarten, Hort, Wohnen, Arbeit, Freizeitgestaltung)

• Breites Erfahrungswissen

• Fachspezifische Fortbildungen

• Umfassende Netzwerkarbeit

 

Bilder:

Fotos: Diakoniewerk