Bodensee-Deklaration

14.07.2016

Eine Deklaration ist eine Erklärung, ein Anliegen einer Gruppe von Menschen.

Diese Deklaration zu Inklusion und Barrierefreiheit haben Selbstvertreterinnen und Selbstvertreter aus 3 Ländern der Bodensee-Region erarbeitet.

Einleitung

Gemeinsam stellen wir fest:
Wir werden immer mehr vom Rande der Gesellschaft in die Mitte rücken.
Wir machen das, indem wir uns aktiv in die Gesellschaft einbringen. Um das zu ermöglichen, fordern wir Barrierefreiheit, Assistenz und Unterstützung. Die Barrieren sollen nicht nur bei Straßen und Gebäuden, sondern auch in den Köpfen fallen!
Wir haben in verschiedenen Lebensbereichen Forderungen erarbeitet, die wir im Folgenden ausführen.

Mitbestimmen und Mitentscheiden

Viele von uns leben und arbeiten in Organisationen. In einigen von ihnen können wir auch schon mitbestimmen. Trotzdem fordern wir, dass ein Mensch mit Behinderung (zuzüglich Stellvertreter) im Vorstand jeder Organisation mit Sitz und Stimme vertreten ist. Als Vision und Ziel haben wir, dass wir mehr als die Hälfte eines Vorstandes stellen.
Von den Einrichtungen erwarten wir eine Umorientierung nach außen.

Politische Teilhabe

Auch wir sind Bürger. Deswegen nehmen wir unser Wahlrecht wahr und haben auch das Recht an politischen Prozessen, die uns betreffen, teilzunehmen. Wir fordern, dass Selbstvertreter auf allen politischen Ebenen an Entscheidungsprozessen beteiligt sind.
Wir hoffen, dass sich Menschen mit Behinderungen dafür entscheiden als Politikerinnen und Politiker tätig zu sein.

Barrierefreiheit

Um unsere Pflichten als Bürger wahrnehmen zu können fordern wir, dass alle Informationen öffentlicher Stellen (Volksabstimmungen, Anträge, Formulare, Broschüren, Bescheide, Web-Seiten, usw.) in Leichter Sprache verfügbar sind. Vor allem sollen im Umfeld einer Wahl Wahlprogramme und Wahllokale barrierefrei gestaltet sein.

Weiterhin fordern wir, dass der öffentliche Raum für alle Menschen zugänglich sein soll (abgeschrägte Gehsteige, Rampen und Aufzüge in öffentlichen Gebäuden, sowie in Restaurants und Geschäften). Dasselbe soll für Busse und Züge gelten. Für Randzeiten fordern wir mehr Busverbindungen und Fahrdienste.

Wir wollen in den Ortschaften leben. Das vereinfacht Begegnung und erleichtert uns den Alltag. Deswegen fordern wir bezahlbare, barrierefreie Wohnungen.

Bewusstseinsbildung

Leider werden wir immer noch beschimpft und ausgegrenzt. Die Vorurteile gegenüber uns sind groß. Um dies zu ändern wünschen wir uns mehr Respekt und Toleranz. Dies erreicht man durch Aufklärungsarbeit und Begegnung. Dies kann in Kindergärten und Schulen passieren oder bei gesellschaftlichen Ereignissen die wir mitgestalten.

In den Medien soll ein neues Bild von uns gezeigt werden, bei dem unser Leben im Vordergrund steht und nicht die Behinderung. Auch wir selbst sollten in diesem Sinn aktiv Medien gestalten.

Um die Medien in vollem Umfang zu nutzen fordern wir auch von Ihnen Barrierefreiheit (Untertitel, Gebärdensprache, Hörfilmfassungen, leichte Sprache).

Schlusssatz

Wir freuen uns auf die Zeit, in der wir nicht mehr am Rande der Gesellschaft leben, sondern „Mittendrin“.

Überlingen am Bodensee, 25.6.2016

Kontakt: selbstvertretung@lhv.or.at

Folgende Selbstvertreterinnen und Selbstvertreter waren beteiligt.

  • Matthias Veser / Schweiz
  • Hans Rutschmann/ Schweiz
  • Klaus Brunner / Österreich
  • Siegfried Glössl / Österreich
  • Sebastian Dierig / Deutschland
  • Michaela Bommer / Deutschland
  • Melanie Schreiber / Deutschland
  • Uwe Hammerle / Deutschland
  • Nico Scheller  / Deutschland
  • Benedikt Müller / Deutschland
  • Samuel Streib / Deutschland

(von den oben genannten Personen verfasst; Quelle: Im Namen der Selbstvertretung übermittelt durch Friedrich Gföllner, Leiter Unterstützung Selbstvertretung, Geschäftsbereich Mobile Dienste, Lebenshilfe Vorarlberg)