Tag ohne Barrieren: Kleine Hindernisse mit großer Auswirkung

24.10.2017

Freistadt. Seit 13 Jahren ist Klaus Hofstadler aus Freistadt nach einem Autounfall auf den Rollstuhl angewiesen. Das Alltagsleben damit ist nicht immer einfach. Hofstadler möchte das Bewusstsein für kleine Dinge schärfen, die das Leben eines behinderten Menschen vielfach vereinfachen können.

 

Seit 2016 sollten alle Waren, Dienstleistungen und Informationen, die für die Öffentlichkeit bestimmt sind, barrierefrei angeboten werden. Vor allem in Freistadt ist diese Barrierefreiheit nicht überall gegeben. Klaus Hofstadler weiß um einige Baustellen in der Stadt: ,,Ein Hauptthema ist für mich die Mühlviertler Wiesn, die für Rollstuhlfahrer, aber auch Kinderwägen und ältere Menschen kaum besuchbar ist“, sagt Hofstadler. 

Die gestreuten Hackschnitzel machen das Fahren auf dem Gelände schier unmöglich. „Es würde schon helfen, wenn Wege zu den wichtigsten Besucherstationen freigeschaufelt würden.“

Das Kulturzentrum Salzhof ist dem Rollstuhlfahrer ebenfalls ein Dorn im Auge. „Seit einer Beschwerde meinerseits über das Behinderten-WC, dass es zu eng sei, gibt es gar keines mehr!“

Überhaupt ist die Stadt in Sachen öffentlicher (Behinderten-)WCs schlecht aufgestellt. Hofstadler regt an, dass außerhalb der Innenstadt an öffentlichen Plätzen, wie dem Frauenteichparkplatz oder dem Bewegungspark im Stadtgraben, WCs installiert werden. „Gerade für Eltern von Kindern wäre das Wichtig!“

 

„Es muss nicht viel sein“

Oft würden schon kleine Dinge reichen, um das Leben von Rollstuhlfahrern zu vereinfachen.

„Mir ist klar, dass nicht jedes Gebäude umgebaut werden kann. Aber Rampen oder Glocken lassen sich schnell verwirklichen und wären bereits eine große Hilfe“, sagt der 47-Jährige.

Apropos Hilfe: Viele Menschen begegnen uns misstrauisch oder trauen sich nicht, Hilfe anzubieten. Die Berührungsängste sind zu groß! Da wird lieber Hilfe geholt, anstatt sie selbst anzubieten. Wir nehmen Hilfe gerne an, aber sie soll persönlich sein“, spricht Klaus Hofstadler das Alltagsleben an, das sich als sehr schwierig gestalten kann. Die größten Probleme für Rollstuhlfahrer bieten sich oft beim Einkaufen, wenn die Regale zu hoch und die Gänge zu eng sind. Auch Bargeld von Automaten abheben kann zu einer unlösbaren Aufgabe werden. „Die meisten sind zu hoch, sodass man nicht auf das Nummernfeld sieht oder die Karte einstecken kann“, will Hofstadler Bewusstsein dafür schaffen, einmal die Welt aus einer anderen Perspektive zu sehen. „Die Leute sollen einfach darüber nachdenken, mit einfachen Mitteln ist schnell viel erreicht.“  

 

(Beitrag von REGINA WIESINGER aus TIPS Woche 41)