In Oberösterreich werden keine neuen Altenheime mehr gebaut

12.04.2018

Projekt „Sozialressort 2021+“: Angebot soll mobiler und differenzierter werden

LINZ. In Oberösterreich sind 12.000 Menschen in 132 Pflege- und Altenheimen untergebracht. Weitere 463 Plätze sind in Planung. Danach soll Schluss sein, so eines der zentralen Ergebnisse des Projekts „Sozialressort 2021+“, dessen Ergebnisse Landesrätin Birgit Gerstorfer (SP) gestern präsentierte.

Dafür wurde das soziale Leistungsspektrum durchleuchtet und 98 Maßnahmen erarbeitet, die einen „Paradigmenwechsel in der Sozialpolitik“ bringen, wie Gerstorfer erklärt. Obwohl die Zahl der Pflegebedürftigen steigt, soll es nicht mehr Langzeitpflegeplätze geben: „Der Bedarf wird durch mobile Dienste und kostengünstigere individuelle alternative Wohnformen abgedeckt.“

Einen Platz im Altenheim bekommt nur, wer mindestens Pflegestufe vier hat. Derzeit haben 30 Prozent der Bewohner von Altenheimen die Pflegestufen eins bis drei. Dies würde auch dem Wunsch vieler Betroffenen entsprechen: „Die Menschen wollen möglichst lange in ihrer gewohnten Umgebung bleiben.“

Weniger Plätze, mehr Personal

Personaleinsparungen seien dadurch aber nicht möglich, so die Sozial-Landesrätin: „Durch den erhöhten Pflegeaufwand brauchen wir 710 Beschäftigte mehr.“

Einen steigenden Bedarf, dem man mit mehr Treffsicherheit bei den Angeboten begegnen will, gibt es im Bereich des Chancengleichheitsgesetzes (CHG). Für Menschen mit Beeinträchtigungen werden 400 neue Wohnplätze errichtet. Zusätzlich sollen auch mehr mobile und teilbetreute Wohnformen angeboten werden. „Wichtig dabei ist die stärkere Durchlässigkeit zwischen voll- und teilbetreut“, sagt Gerstorfer. Dies gilt auch für Beschäftigungsprojekte. „Statt weiterer Werkstätten sollen die Menschen in die Betriebe gebracht werden“, sagt Michael Slapnicka, Leiter der Sozialabteilung.

Weitere Ziele der Strategie sind Verwaltungseffizienz und Kompetenzbereinigung. Insgesamt liegt das Einsparungspotenzial der 98 Maßnahmen bei knapp 44 Millionen Euro in der Pflege und bei 200 Millionen Euro im CHG-Bereich. Die Strategie wurde am Montag im Lenkungsausschuss präsentiert. „Grundsätzlich gibt es Konsens über die Maßnahmen, nun geht es in die Detailplanung und genaue Abstimmung“, sagt Gerstorfer.

„Wohlwollende“ Einigkeit

Wie berichtet, waren die Wogen wegen des Sozialbudgets zwischen ÖVP und SPÖ hochgegangen. Schließlich einigte man sich auf eine gemeinsame Vorgangsweise, die auch das „Sozialressort 2021+“ umfasste. „Wir nehmen den Abschlussbericht wohlwollend zur Kenntnis. Durch den gemeinsamen Kraftakt kann sichergestellt werden, dass mehr Geld bei den Menschen ankommt“, sagt VP-Sozialsprecher Wolfgang Hattmannsdorfer.

Den „Auftrag, nun längst überfällige Reformen anzugehen und umzusetzen“, sieht Ulrike Wall, Sozialsprecherin der FPÖ, in dem Bericht. Die Grünen mahnen, dass es trotzdem mehr Geld geben müsse. Stefan Kaineder: „Die Wartelisten werden nicht kürzer, eher länger.“

Quelle: Oberösterreichische Nachrichten