Werkstätte Erle – ein Pionierprojekt setzt Maßstäbe für die Begleitung von Menschen im Autismus-Spektrum

17.04.2019

Erlkönig

Das Diakoniewerk hat sich in den letzten Jahren zu einem Experten in der Begleitung von Menschen im Autismus-Spektrum entwickelt - von der Diagnostik bis zu Wohn- und Beschäftigungsangeboten. Linda Z. ist eine der begleiteten MitarbeiterInnen, die entsprechend ihrer individuellen Bedürfnisse in der Werkstätte Erle beschäftigt ist.

Die Begleitung von Menschen im Autismus-Spektrum ist eine sehr anspruchsvolle und intensive Aufgabe, die ein hohes Einfühlungsvermögen und eine starke Begleiter-Persönlichkeit erfordert. Ziel der Begleitung ist die Förderung der Gruppenfähigkeit, um den Betroffenen gesellschaftliche Teilhabe als auch ein hohes Maß an Selbstständigkeit zu ermöglichen.

2008 ging die Werkstätte Erle mit dem Schwerpunkt Natur- und Erlebnispädagogik als Pionier in Betrieb. Durch die Einzelbegleitung kann individuell auf den unterschiedlichen Unterstützungsbedarf und die Bedürfnisse der Menschen eingegangen werden. Die Tätigkeiten ermöglichen sinnstiftende, nachvollziehbare Arbeiten, die für Menschen im Autismus-Spektrum sehr wichtig sind.

Linda Z. ist 28 Jahre alt – ihre Diagnose – frühkindlicher Autismus. Linda arbeitet von Beginn an in der „Erle“ am Linzerberg (Engerwitzdorf) – eine kleine, überschaubare Werkstatt mit ausreichend Rückzugsmöglichkeiten und der Chance in und mit der Natur arbeiten zu können – Bedingungen, die dem Wesen von Linda Z. ganz und gar entsprechen.

Ein gemeinsam mit Linda Z. abgestimmter und erarbeiteter Tagesablauf, hilft ihr Struktur in den Alltag zu bringen. „Es wurde besonders darauf geachtet, was Linda kann und möchte. Es ist wichtig für sie, dass sie die Arbeiten kennt, dass sie weiß welche Schritte und Anforderungen auf sie zukommen und, dass Abläufe immer wieder kehren, dann ist die Möglichkeit gegeben ihr Spannungslevel gut in Balance zu halten“, beschreibt Roland Atzelsberger, der Linda jahrelang in der Einzelbegleitung hat, für Linda wichtige Rahmenbedingungen. So konnte Linda im Laufe der Jahre viele Kompetenzen entwickeln.

Zu den Aufgaben und Tätigkeiten von Linda Z. gehören, den Müll von den Werkstätten und vom ReVital Shop zu entsorgen. Auch diverse Botengänge, für die Küchengruppen Wäsche waschen, die Einkäufe erledigen, sowie die Pflege des Gemüsegartens der Werkstätte Erle, zählen zu ihren Aufgaben.

Die Werkstätte Erle produziert seit Jahren die Marke „Erlkönigin“. Die Produktpalette reicht von Marmeladen, Ölen, Essigen, Pestos bis hin zu getrockneten Apfelringen, Tees und Säften. Linda arbeitet auch hier bei der Saftproduktion mit, vom Sammeln der Blüten und Kräuter, über die Herstellung des Konzentrats, bis hin zur Abfüllung und Auslieferung des Produktes ist sie bei allen Produktionsschritten dabei. Bei einer gemeinsamen Wanderung klingt die Woche mit ihren KollegInnen aus.

Ein wichtiger Bestandteil in der Begleitung von Linda Z. ist die Kommunikation, sie kann sich lautsprachlich nicht verständigen und hat gelernt mit Symbolen zu kommunizieren. Diese symbolunterstützte Kommunikation wurde gemeinsam mit ihr aufgebaut.

Am Wochenplan sieht man deutlich, wie aktiv Linda ist und für wie viele Dinge sie sich begeistert. Sie spürt gerne ihre Kraft, die sie beim Fahren mit der Fahrradkutsche unter Beweis stellen kann. Trotz bekannter Strukturen und Vertrauen in ihren Bezugsmitarbeiter kann es immer wieder mal vorkommen, dass sich eine Anspannung in ihr bemerkbar macht. Dabei ist es auch mal notwendig, vom Wochenplan abzuweichen und das zu tun, was sie im Moment für ihre Befindlichkeit braucht.

„Menschen im Autismus-Spektrum filtern und verarbeiten alltägliche Reize wie Geräusche, Licht und Gerüche anders. Ich habe die Erfahrung machen dürfen, dass viele Menschen im Autismus-Spektrum bereit sind, uns in ihre Wahrnehmungswelt mitzunehmen, wenn wir uns darauf einlassen.“, so Karin Schaubmaier, Regionalleiterin Behindertenarbeit, Diakoniewerk Oberösterreich.

Das Diakoniewerk begleitet österreichweit knapp 300 Menschen im Autismus-Spektrum – in Therapiezentren, mit Wohn- und Beschäftigungsangeboten als auch in Kindergärten und mit Mobilen Diensten. In Österreich leben schätzungsweise an die 87.000 Betroffene im Autismus-Spektrum mit sehr unterschiedlichen Ausprägungen, viele ohne Diagnose und manche gesellschaftlich isoliert.

 

(Quelle:diakoniewerk.at)